Zurückhaltende Teilnahme

Wie du am besten mit passiven und stillen Teilnehmenden umgehst

blaues Icon mit einem Buch, aus dem ein Lesezeichen hervorschaut

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit beträgt 5 Minuten

Ab und an kann es vorkommen, dass eine Person überhaupt nichts oder nur selten etwas sagt und sich kaum am Geschehen beteiligt. Selbst auf direkte Fragen reagiert sie zurückhaltend.
Oft ist nicht klar, woran es liegt, was eine Einschätzung deinerseits erschwert. Vielleicht ist die Person unsicher, hat Schwierigkeiten sich zu öffnen oder fühlt sich fachlich, sozial oder organisatorisch überfordert. Vielleicht ist sie auch einfach gedanklich woanders und nicht wirklich involviert.

Learnings

Das lernst du in diesem Kapitel

  • Wie du eine zurückhaltende Teilnahme einordnest
  • Wie du stillere Personen einlädst, ohne sie unter Druck zu setzen
  • Wie du Beteiligung ermöglichst, auch wenn Menschen unterschiedlich sichtbar arbeiten und denken

Für dich als Facilitator ist es zunächst wichtig, Zurückhaltung nicht persönlich zu nehmen und auch nicht als Widerstand zu deuten. Nicht jede Person fühlt sich in einer Gruppensituation direkt wohl oder findet spontan die passenden Worte. Eine stille Haltung kann teilnahmslos wirken, muss es aber nicht sein.
Versuche stattdessen herauszufinden, was hinter dem Verhalten steckt, damit du angemessen darauf reagieren kannst. Eine Person zum Reden zu zwingen, geht selten gut, versuche sie daher eher einzuladen und dem eigenen Beitrag dieser Person Wertschätzung entgegenzubringen.

Die folgenden Tipps zeigen dir verschiedene Optionen auf, wie du mit solchen Situationen konstruktiv umgehen kannst.

Gründe sensibel erkunden

Wenn eine Person distanziert wirkt und auf Einbindungsversuche deinerseits nicht wirklich reagiert, sprich es nicht im Plenum vor allen an. Suche stattdessen ein ruhiges, vertrauliches Setting, zum Beispiel ein kurzes Gespräch in der Pause oder am Rand einer Kleingruppenphase. In analogen Formaten ist das meist einfacher, im Digitalen kannst du hingegen mit Breakout-Räumen oder privaten Nachrichten arbeiten.

Ein möglicher Einstieg wäre beispielsweise:
„Ich habe bemerkt, dass du bisher eher zurückhaltend bist. Gibt es etwas, das dir helfen würde, besser reinzukommen oder kann ich etwas für dich tun?“

Beim Ankommen unterstützen

Wenn du den Eindruck hast, dass die Person grundsätzlich interessiert ist, aber schwerer Anschluss findet, hilf ihr aktiv beim Einstieg und baue Brücken.

  • Suche das Gespräch in einer Pause. Frag zum Beispiel nach bisherigen Erfahrungen mit dem Thema oder starte mit einfachem Small Talk. Sich zum ersten Mal zu öffnen, ist oft die größte Hürde. Dein Ziel sollte es daher sein, ins Gespräch zu kommen und idealerweise auch andere einzubinden, um direkt mehrere Hürden ab- und Verbindungen aufzubauen.
  • Um ein Gespräch in den Gang zu bekommen, empfiehlt es sich oftmals, zunächst selbst etwas Persönliches zu teilen und erst dann eine Frage zu stellen. Du könntest als Facilitator zum Beispiel von deinen ersten Berührungspunkten oder einem besonderen Erlebnis hinsichtlich des Workshop-Themas erzählen. Das schafft Nähe und Bezugspunkte und erleichtert es anderen, anzuknüpfen.
  • Auch in Gruppensettings kannst du durch Präsenz, Nähe und gezielte Impulse unterstützen. Stell dich zum Beispiel neben die Person, greif die Gruppendiskussion kurz auf und leite mit einer Frage direkt zu ihr über.
    Oder gib einen kurzen Kommentar zum Gesagten oder Geschehen, der sich nur an sie richtet. Beides kann helfen, sich sichtbarer und eingebundener zu fühlen.
    Wenn du den Eindruck hast, dass der Anschluss gelungen ist, zieh dich zurück. Im digitalen Raum kannst du das ähnlich handhaben, indem du zwischen Breakout-Räumen wechselst.

Alternative Ausdrucksformen anbieten

In frei geführten Diskussionen verschaffen sich oft eher lautere oder sehr extrovertierte Personen Gehör. Überlege, ob sich in solchen Momenten alternative Formen anbieten, die allen Teilnehmenden mehr Beteiligung ermöglichen.

Erst still, dann laut
Lass die Teilnehmenden ihre Gedanken zunächst still auf Post-its sammeln. Anschließend stellen sie ihre Punkte nacheinander vor, bevor ihr in eine offene Diskussion geht. So kommen auch ruhigere Personen zu Wort.

1-2-Alle
Zunächst machen sich alle still und individuell ihre Gedanken, stellen sie sich dann in Paaren und dann abschließend im Plenum vor. Dieses Vorgehen sorgt für einen sanfteren Einstieg und hat zusätzlich den Vorteil, dass Antworten und Gedanken vor der Diskussion im Plenum bereits etwas vorgefiltert werden.

Als Facilitator solltest du stillere Teilnehmende also nicht zum Reden drängen, sondern versuchen, Zugänge zu eröffnen. Unterstütze sie beim Ankommen, biete alternative Beteiligungsformen an und akzeptiere eine zurückhaltende Teilnahme, solang sie die Dynamik der Gruppe nicht weiter stört.

Geschafft!

Du hast dieses Kapitel abgeschlossen. Nimm dir kurz Zeit zu reflektieren, was du mitnimmst und was du als Nächstes ausprobieren möchtest. Teile deine Gedanken, Fragen oder Erfahrungen gern in den Kommentaren - oder mach direkt mit dem nächsten Kapitel weiter.

Nächstes Kapitel

Abgelenkte Teilnahme

Willst du direkt weitermachen?