Umgang mit kritischen und ablehnenden Teilnehmenden

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit beträgt 10 Minuten

Kritische Personen melden sich häufig mit einem klaren „Aber“ zu Wort. Inhalte, Methoden oder Entscheidungen werden offen hinterfragt, manchmal sachlich, manchmal aber auch spitz oder provokant.
Für dich als Facilitator kann das herausfordernd sein. Vor allem dann, wenn die Kritik sich wiederholt oder verstärkt.
Kritiker*innen haben häufig ein gutes Gespür für Unschärfen, Widersprüche oder fehlende Begründungen. Ihre Einwände entstehen dabei oftmals aus einem hohen Anspruch an Qualität oder aus Frustration, wenn sie sich nicht gehört oder mit ihrer Expertise übergangen fühlen. Dabei kommt es immer wieder zu Äußerungen wie:
Kritik erzeugt Reibung, was den Prozess lähmen kann. Gleichzeitig kann genau diese Reibung hilfreich sein, wenn beispielsweise Lücken im Konzept aufgedeckt oder vorschnelle Entscheidungen hinterfragt und präzisiert werden. Dein Ziel als Facilitator sollte daher nicht sein, Kritik zu vermeiden, sondern die dahinterliegende Perspektive konstruktiv einzubinden und den Widerstand in Lösungsorientierung umzudrehen.
Lass uns im Folgenden darauf schauen, wie du mit Kritik umgehen kannst, ohne den Prozess aus der Hand zu geben.
Wenn Kritik geäußert wird, lohnt es sich, zuerst mit Ruhe und Struktur zu reagieren, bevor du eine Entscheidung im Umgang mit ihr triffst:
Verständnis zeigen
Zeige Verständnis für die Kritik, auch wenn du sie nicht teilst oder ihr zustimmst. Wenn es deinem Stil entspricht, kannst du dich zum Beispiel fürs Feedback bedanken.
Nachfragen, um Klarheit zu schaffen
Frage nach spezifischen Beispielen oder auch nach konkreten Lösungsvorschlägen, um die Äußerungen besser zu verstehen.
Spiegeln oder paraphrasieren
Greife die Aussage auf, um sicherzustellen, dass du sie verstanden hast und zeige damit auch, dass du zuhörst.
Zeit gewinnen, wenn nötig (optional)
Wenn du einen kurzen Moment zum Nachdenken brauchst, kannst du dir mit einer Gegenfrage Zeit und Spielraum verschaffen:

Hast du die Gründe der Kritik gut verstanden, kannst du auf verschiedene Art und Weise mit ihr umgehen.
Kritik Raum geben
Wenn die Kritik begründet und konstruktiv ist, solltest du darauf eingehen. Hole bei Bedarf die Meinungen der anderen Teilnehmenden ein, suche Konsens, beziehungsweise Konsent, und passe das Vorgehen gegebenenfalls an. An dieser Stelle ist wichtig zu betonen, dass du das nur machen solltest, wenn die angebrachte Kritik tatsächlich einen Punkt anspricht, den du beispielsweise in deiner Vorbereitung übersehen hast und wo eine Anpassung für einen Mehrwert im Workshop sorgt. Macht es das nicht und ist die Kritik eher ein Nörgeln, wähle besser eine der beiden folgenden Optionen und erinnere an einen respektvollen Umgang.
Beispiel: „Lasst uns darauf achten, respektvoll zu bleiben, auch wenn die Meinungen auseinandergehen.“
Einzelgespräch anbieten
Wenn das Problem vor allem von einer Person ausgeht, biete ihr an, in der nächsten Pause oder am Ende des Workshops darüber zu sprechen. So kannst du die Situation zunächst entlasten und machst gleichzeitig deutlich, dass du das Thema nicht übergehst, sondern zu einem späteren Zeitpunkt aufgreifst. Diese Option gibt dir außerdem den Vorteil, bei erneuter Kritik auf das zukünftige Gespräch zu verweisen und damit das Thema zurückzustellen.
Auf den Parkplatz
Der „Parkplatz“ ist ein bewährtes Werkzeug, um Einwände oder Anmerkungen aufzunehmen, ohne den Ablauf zu unterbrechen. Richte dafür einen sichtbaren Bereich ein, zum Beispiel auf einem Flipchart oder einem Whiteboard. Notiere die Kritik auf einem Post-it und verweise auf eine Bearbeitung zu einem späteren Zeitpunkt, etwa am Ende des Workshops. In vielen Fällen klärt sich das Thema im weiteren Verlauf von selbst oder verliert an Relevanz. Trotzdem solltest du zum vereinbarten Zeitpunkt darauf zurückkommen. So stärkst du deine Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit als Facilitator und machst deutlich, dass Beiträge ernst genommen werden, auch wenn sie nicht sofort behandelt werden können.

Kritiker*innen bringen häufig fachliche Erfahrung mit, gepaart mit dem Wunsch, gehört zu werden und sich mit ihrem Wissen zu beweisen. Manche fühlen sich unterfordert oder haben den Eindruck, schon vieles zu kennen. Diese Haltung kann herausfordern, bietet aber auch Chancen.
Wenn du ihre Kompetenz anerkennst und sie gezielt einbindest, kann sich die Dynamik von Widerstand zu Engagement verändern. Indem du sie explizit in ihrer Fachlichkeit ansprichst und um ihre Perspektive bittest, wirst du ihrem Wunsch nach Sichtbarkeit gerecht und machst gleichzeitig mehrwertige Erkenntnisse für die Gruppe nutzbar.
Beispiel: „Für viele in dieser Runde ist die Arbeit in einer Rollen-Struktur neu. Du hingegen, Anna, konntest ja bereits bei deinen vorherigen Stationen umfassende Erfahrungen damit sammeln. Was waren aus deiner Sicht wichtige Faktoren fürs Gelingen und was lässt sich davon auf unseren Kontext übertragen?“
Es ist gut möglich, dass sich das Verhalten nicht direkt mit der ersten Einbindung verändert. Manchmal braucht es etwas Zeit oder mehrere Anläufe.
Achte dennoch auf die Balance in der Gruppe und darauf, nicht zu viel Aufmerksamkeit auf eine einzelne Person zu lenken. Denn wer lange kritisch war, kann leicht ins andere Extrem wechseln und sich zu viel einbringen.

Manchmal hast du es nicht nur mit einer, sondern mit mehreren kritischen Personen im Raum zu tun. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht mussten sie am Workshop teilnehmen, wollten es aber nicht. Vielleicht gab es vorab Frustrationen oder Druck durch parallele Aufgaben und Deadlines.
Was bei Einzelpersonen noch aufgefangen werden kann, wird bei mehreren kritischen Personen schnell komplex. In solchen Situationen empfiehlt es sich, die Bedenken und die Stimmung anzuerkennen und zügig zum Punkt zu kommen.
Lange Intros, Präsentationen oder spielerische Übungen sind in solchen Momenten oft kontraproduktiv. Was hier zählt, ist Relevanz und Klarheit. Zeig möglichst früh, worum es geht und welchen konkreten Nutzen der Workshop für die Teilnehmenden hat. Streiche dafür ruhig Punkte aus der Agenda, die nicht unbedingt nötig sind.

Letztendlich kann es auch zu Situationen kommen, in denen sich jemand trotz mehrerer Versuche nicht abholen lässt und die Gruppe wiederholt stört oder blockiert. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass Personen von ihrer Führungskraft geschickt wurden oder in dem Workshop keinen Sinn sehen. In diesen Momenten ist es legitim, dieser Person freizustellen, den Workshop zu verlassen und im Anschluss zu klären:
Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass du im Workshop nicht dabei sein möchtest und ihn und andere damit störst. Ich stelle dir daher frei, den Workshop an dieser Stelle zu verlassen.“
Auch das gehört zu deiner Rolle als Facilitator. Du schützt den Rahmen, damit eine konstruktive Zusammenarbeit für den Rest der Gruppe möglich bleibt.

In Kritik kann also mehr als Widerstand stecken, wenn du konstruktiv mit ihr umgehst. Auch wenn du sie nicht immer lösen kannst oder musst, gehört es zu deiner Rolle als Facilitator, sie einzuordnen und ihr souverän zu begegnen.
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